Frag nicht nach den Wunden,
dieser Mitgift des Lebens,
die es austeilt ohne Maß.
So wie die Erde den fallenden Blättern nicht entkommt,
so sind dir die Wunden gewiss.
Kannst du sie denn zählen? Wie vom Frost spröde Bäume, die der Wind zerschlägt?
Soll denn jede einen Namen haben?
Sie sind ihre eigene kleine - oder große - Geschichte,
erzählt mit deiner Haut, deiner Seele, deinem Leben.
Sie brauchen deine Worte nicht,
nur ein Herz das lauscht.
Frag nicht nach den Wunden.
Sie sind der Kopf der Schlange.
Und schon nach dem ersten Wirbel ist alles Heilung,
der ganze lange und hingegebene Schlangenleib.
Frag nach einem Herzen, das bereitwillig die ganze Wucht des Lebens nimmt.
Eine Wildnis und ihre Löwin.
Unbeirrbar in ihrer Jagd.
Und doch sich selbst und allem ergeben.
Dein Herz sei ein Wunsch und Wille
erbaut aus purer Demut.
Erbaut aus dem Licht der Trümmer seines tausendfachen Scheiterns.
[24. Dezember 2024]