Lasst mich die Abende draußen sein.
Lasst mich das seltsame Blau eines noch nicht erloschenen Himmels schmecken.
Diese kurze Stunde, in der sich der vergangene Tag zu einer letzten Glut verdichtet,
gefeiert von den Sängern im Laub,
um schließlich jäh zu erlöschen und stumm zu werden.
Dann beginnt etwas anderes,
Stilles.
Die Seele muss nun mit sich selber sein.
Denn auch das Werk der Dunkelheit hat noch nicht begonnen.
Keine Sterne verbünden sich mit Deinem fallenden Licht.
Aber allmählich - unmerklich - gleitest Du doch hinüber in ihre Unermesslichkeit.
Lasst mich die Abende draußen sein.
Lasst meine schüttere Seele in die Nächte reisen.
[27. Mai 2021]